SAAR | LUX
SAAR |
Homestory
Hausbesuch bei Designer Gabriel Tan

Es bleibt in der Familie

Copyright: ClassiCon, Inês Silva Sá
CI Redaktion

Keine One-Man-Show: Gabriel Tan mag es, wenn Technik, Handwerk und der Vibe eines Ortes sich in seine Entwürfe einschreiben. Das wichtigste Feedback gibt’s aber zuhause: Seine Frau und die beiden Kinder sind von der Idee bis zum fertigen Möbel Teil des Prozesses

Ein Ort, der Gemeinschaft stiftet

Der Parque de Cidade in Porto war beliebt in der Corona-Zeit. Hier war es möglich, Gemeinschaft zu fühlen, ohne die Lockdown-Regeln zu brechen. Die Steinkonstellationen dort inspirierten Gabriel Tan zu Soft Stone, das er als Jederzeit-Sofa für ClassiCon entwickelte. Wie der Park soll das Möbel Gemeinschaft stiften. Nur eben Zuhause.

Work, Life, Balance

Angst, dass Arbeit und Leben zu nah zusammenrücken, hat Gabriel Tan offenbar nicht. Im Gegenteil. Eigentlich können diese Sphären ihm kaum nah genug rücken. Gemeinsam mit seiner Frau Cherie leitet er das Design-Studio Studio Tan. Die Büros befinden sich im Erdgeschoss des Familienzuhauses in der Rua do Almada in Portos Altstadt. Immer wieder nehmen die gemeinsamen Söhne die Stufen hinunter, um den Eltern bei der Arbeit zuzusehen, Fragen zu stellen, mit Prototypen zu spielen. In den hellen Wohnräumen mit Blick über die Dächer der Stadt werden seine Entwürfe dann knallhart getestet: „Kinder zu haben bedeutet, täglich zu beobachten, wie sie Möbel wirklich nutzen: Ein Sofa wird zum Trampolin, zum Hindernisparcours oder zum Bett.“

Zeit für die guten Dinge

Wahl-Portugiese Gabriel Tan liebt es, wie viel Zeit sich die Locals nehmen. „Das Leben in Porto hat meine Perspektive definitiv verändert.“ Im Alltag gibt er heute auch kleinen Routinen den nötigen Raum. Und verfolgt als Designer nicht die schnelle Markteinführung, sondern das Ziel, bleibende Werte zu schaffen. Für die Entwicklung von Soft Stone nahmen sich ClassiCon und Tan fünf Jahre Zeit.

Inspiration Alltag

Dass die Familie, die aus Singapur stammt, ausgerechnet in Portugal ihren Lebensmittelpunkt gefunden hat, liegt nicht nur daran, dass das Paar sich auf den ersten Blick in das historische Gebäude verliebt hat, sondern auch daran, dass hier perfekte Bedingungen für den
Designprozess herrschen: „Man sieht Steinmetze an Gebäuden arbeiten und Möbelbauer, die seit Jahrzehnten dieselben Techniken anwenden. Es geht weniger um Innovation um der Innovation willen, sondern mehr darum, Dinge ordentlich und mit Sorgfalt zu tun.“
Der ideale Ort, um sich von lokalem Handwerk inspirieren zu lassen – und Spezialisten zu finden, die Prototypen zuverlässig umsetzen.
Das modulare Sofa Soft Stone, das Tan mit ClassiCon entwickelt hat, erinnert mit seiner unregelmäßigen Struktur – egal wie man die Elemente kombiniert, es ist nie völlig symmetrisch – und der gewollt unregelmäßigen Oberfläche an Steinmetzarbeiten. Heute
arbeiten sich Tans Kinder daran ab: tobend, kuschelnd, schlafend. Praxistest bestanden, könnte man sagen.